Furguson – Black Cloud / Can You Hear Me?

Vielleicht liegt es am sonnenverwöhnten Spanien, aus dem Furguson stammen, dass in ihrem neuesten Lied eine schwarze Wolke als unerreichbarer Sehnsuchtsort erscheint. Eduard Vilas kryptischer Text hallt von weit her, wie die ersten Anzeichen eines Sturmes, wie die Verdunkelung des Himmels – jedoch ohne Bedrohlichkeit, ohne Unheil zu verkünden.

Auch Can You Hear Me? entwickelt eine ähnliche Atmosphäre: zwischen Lakonie und Fernweh wiederholt Vila die titelgebende Frage, untermalt von zahlreichen elektronischen Spielereien. Es klingt verzweifelt und hoffnungsvoll zugleich, weniger ein Flehen als eine aufrichtige Nachfrage in verwirrenden Zeiten.

[Bandcamp]

Mixtape: Rainy Summer Day

Wenn es in diesen Tagen mal wieder und immer noch regnet, und niemand das Haus verlassen möchte. Ein Mixtape für solche Nachmittage, am besten mit Regenrauschen im Hintergrund:

 

Tracklist:

  1. Rozi Plain – Actually
  2. Wavves x Cloud Nothings – Nothing Hurts
  3. Kevin Morby – I Have Been to the Mountain
  4. Songs: Ohia – Two Blue Lights
  5. Thao & The Get Down Stay Down – Millionaire
  6. Car Seat Headrest – Drunk Drivers / Killer Whales
  7. Emmecosta – Untied feat. Kewee
  8. Dream Panther – Cote d’Ivoire feat. Speak & ISAIAH
  9. Fog Lake – Shanty Town
  10. Jack Lesser Lewis‘ Awkward Energy – Summertime Called
  11. Big Cream – What A Mess
  12. Damian – When You Were A Kid
  13. Matt Pryor – I Brought You Flowers

Amber Arcades – Fading Lines

Die Stimme der niederländischen Musikerin Annelotte de Graf, die sich hinter Amber Arcades verbirgt, klingt nüchtern. Fast monoton gleitet sie in minimalen Wellen dahin und legt sich auf die ebenso dahinfließenden Gitarren-Riffs, die unaufgeregt auf und ab steigen.

Mit seiner Monotonie regt Fading Lines an, abzuschweifen und gedanklich an irgendeinem anderen Ort aufzutauchen. Zumindest für vier Minuten, denn dann verhallen die Gitarren in sekundenschnelle und plötzlich heißt es: Aufwachen! Wem das zu kurz ist, der sollte einfach repeat einstellen – dann kann es eine Weile dauern, bis es sich ausgeträumt hat.

[Das Album Fading Lines kaufen | Amber Arcades spielen am 11. August 2016 auf dem Haldern Pop Festival in der Haldern Pop Bar | Foto von Matthew Potter]

Fog Lake – Rattlesnake

Fog Lake brauchen nicht viel um eine ganz bestimmte Stimmung zu erzeugen. Eine E-Gitarre, die weder schnarrt noch zerrt, eine effektbeladene Stimme, ein Schlagzeug und nicht mehr. Daraus entsteht eine süße Melancholie, mit Rattlesnake ein Lied, das sich öffnet und schließt, das die Dämmerung eintreten lässt.

[Bandcamp]

Andrew Bird – Truth Lies Low

Die Geräusch-Welt, die Truth Lies Low vorführt, ist unergründbar. Schon das anfängliche Wabern scheint aus verschiedenen Überlagerungen zu bestehen und klingt so komplex, dass eine Einordnung schwer fällt. Gleichzeitig macht diese anfängliche, eindringliche Bassline den Song aber besonders zugänglich. Sie ergreift die Aufmerksamkeit des Hörers und zieht ihn auf Andrew Birds sphärische und doch bodenständige Pfade. Auf diesen begegnet er genauso gezupften Streichinstrumenten, deren Töne in der schwülen Sommerluft fast ersticken, wie gestrichenen, die ihre Melodien harmonisch dahinhallen lassen. All das baut sich mit Andrew Birds Stimme zu einer sommerlichen Hymne auf, die irgendwann geschmeidig vor sich hingleitet.

Truth Lies Low erzählt neben und mit dieser musikalischen Vielfalt, die sich zu einem Ganzen vereint, vom Verstecken – das jedoch scheitert. Es berichtet von Lügen, die sich vor der Wahrheit nicht mehr retten können, die sich zwar panisch vermehren, aber am Ende doch vor der Wahrheit die weiße Flagge hissen müssen.

[Album-Stream / kaufen | Foto von Matthew Fern]

Magic Potion – Milk

Wer sich bei Milk von Magic Potion nicht entspannt zurücklehnt – vielleicht sogar mit einem Glas Milch –, dem ist vermutlich nicht mehr zu helfen. Mit seinen warmen Gitarren und lockerem Beat klingt dieser Slacker Pop wie gemacht für den kommenden Sommer, für einen Tag am See.

[dieser Eintrag ist zuerst in der spree erschienen | kaufen | Bandcamp]

Sonny & the Sunsets – Well But Strangely Hung Man

Auf der ersten Single Well But Strangely Hung Man vom nächsten Album scheinen Sonny & the Sunsets neue Sounds zu entdecken. Groove hatten die Songs der Band zwar schon immer, doch diese Basslinie geht eindeutig in Richtung Funk. Gepaart mit einer gewohnt absurden Geschichte und den an frühere Alben erinnernden Keyboard Sounds kommt jedoch trotzdem ein astreiner Sonny & the Sunsets Song heraus, der die Band in einer fast perfekten Balance aus alt und neu in die Zukunft führt.

[dieser Eintrag ist außerdem in der spree erschienen | kaufen]