Element of Crime bei Das Fest

Element of Crime live bei „Das Fest“

Außerdem rief Hamburg-Heiner wieder an.
HH: Hast du die FAZ am Sonntag gelesen?
Sven: Die heißt nicht FAZ am Sonntag, die heißt FAS.
HH: Quatsch, das ist die FAZ am Sonntag. Hast du das über euch gelesen?
Sven: Ja.
HH: Ganz gut, oder?
Sven: Ja sicher!
HH: Kann man nicht meckern!
Sven: Tu ich auch nicht.
HH: Kommt dir das nicht langsam komisch vor?
Sven: Was?
HH: Hast du nicht auch das Gefühl, dass es langsam mal Zeit wird, dass ihr mit eurer Band auch mal was auf die Schnauze bekommt?
Sven: Also wegen mir…
HH: Mir wäre das unheimlich. Je länger sich das hinzieht mit der Loberei, desto schlimmer gibt’s später auf die Schnauze.
Sven: Das geht aber schon 20 Jahre so.
HH: Mein ich ja! Umso schlimmer.
Sven: Da kommt schon noch was Böses.
HH (hoffnungsvoll): Meinst du?
Sven: Wahrscheinlich demnächst.
HH: Dann ist ja gut.

Aus:
Sven Regener, Meine Jahre mit Hamburg-
Heiner. Logbücher. Berlin 2011.

Ob an Hamburg-Heiners Theorie wohl etwas dran ist? Schwer zu sagen. Jedenfalls scheint die Band bisher von ihr verschont zu sein, denn nun sind es schon 25 Jahre seit denen Element of Crime erfolgreich unterwegs sind. Auch bei ihrem Auftritt bei Das Fest in Karlsruhe gab es für die Band wieder einmal nichts auf die Schnauze. Dabei hätte es bei dem heterogenen Festival-Publikum auch ganz anders laufen können, denn hier und da hörte man den ein oder anderen Besucher Sätze raunen wie: Was ist das denn für ne Rentner-Band? Doch das vermeintliche Alt-Herren-Kollektiv zeigte seinem Publikum wie man richtig unterhält, nämlich eigentlich ganz einfach – Sven Regener kündigte vorab an: Das wird ein Abend mit Liedern von Element of Crime.

In diesen Liedern bleibt die Band sich und ihrer Musik treu. Das literarische Feingefühl Sven Regeners – das oben nur unschwer zu erkennen ist – gepaart mit der mal euphorischen aber meist melancholischen Musik ist seit Bandgründung Programm. So fällt auch kaum auf, dass Element of Crime munter zwischen ihren Alben hin und her wechseln. Das Konzert klingt trotzdem wie aus einem Guss. Mit dabei sind von Straßenbahnfetischismus geprägte Texte – in gefühlt jedem zweiten Lied kommt das Transportmittel irgendwie vor – quäkige Trompetenklänge und wunderbare Gitarrenriffs, die weder zu nüchtern noch zu verspielt sind. Das alles wird untermalt von Bass- und Schlagzeugrythmen, die zum Schunkeln und Tänzeln anregen; so sehr dass man sich manchmal fragt: Ist das eigentlich Schlager? Aber dann kommt doch wieder ein erfreulich unterwartetes Element daher oder man muss über die subtile Komik grinsen, die so ganz gegenläufig zum Schlager ist.

Leider endete der Liederabend von Element of Crime dann viel zu schnell. Zwar spielte die Band zwei Zugaben und war merklich angetan vom Karlsruher Publikum, doch der Schlusspunkt Über Nacht brachte das Gefühl zum Ausdruck, das wohl einige Zuhörer und auch die Band selbst plagte. Darin heißt es … und kaum dass ich einmal nicht müde bin / ist der Sommer schon wieder vorbei. Treffendes, trauriges Ende.

[Element of Crime waren am 24.07. die Abschlussband bei Das Fest 2016 in Karlsruhe | Lied Rette mich und anderes kaufen | Weiterlesen ]

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