Jesu/Sun Kil Moon – s/t

Schon die Art und Weise, wie Mark Kozelek auf The Possum, dem Eröffnungstrack vom letztjährigen Sun Kil Moon Album Universal Themes, ein Konzert von Justin Broadricks Band Godflesh beschreibt, vermittelt eine unglaubliche Intensität, die in dem Lied nur durch den abrupten Abbruch der Erzählung und ein Gittarenzwischenspiel aufgelöst werden kann. Dass Kozeleks Kollaboration mit Broadrick, der auch hinter Jesu steht, diese Intensität der Konzertbeschreibung fast nahtlos aufnimmt, ist deshalb mit Sicherheit kein Zufall.

Besonders die ersten beiden Lieder des Albums, Good Morning My Love und Carondelet, inkorporieren dabei Broadricks fuzzy E-Gitarre auf kongeniale Weise: Die Instrumentierung ist lauter, dreckiger und Kozelek passt seinen Gesang dementsprechend an. Die Dringlichkeit, die er im Laufe der Lieder entwickelt, übt einen unglaublichen Sog aus und man wird in die wie immer weitschweifenden Erzählungen hineingerissen wie selten zuvor.

Dass es danach auch wieder ein wenig ruhiger wird, schadet dem Fluß des Albums keineswegs. Es changiert in der Folge zwischen dem Sound von Broadricks Gitarre, akustischen Liedern und elektronischen Ambient-Flächen, doch die Brüche und Weiterführungen ergeben sich organisch und gleichen dem natürlichen Gang der Gezeiten. Die einzige Konstante bleibt einmal mehr Kozeleks Gesang, dessen Texte sich an die letzten Veröffentlichungen anfügen: Alltagserzählungen gehen in philosophische Kontemplationen über, Fan-Mails werden vorgelesen, pop-kulturelle Referenzen erwähnt.

Insgesamt beweist das Album, auch durch Beiträge von Mitgliedern von Low, Will Oldham oder Isaac Brock von Modest Mouse und America’s Most Wanted klar erkennbar, eine bemerkenswerte Erweiterung der Soundpalette Kozeleks. Während Universal Themes an Stellen ausfranste, verdichtet sich Jesu/Sun Kil Moon, verlangt die Aufmerksamkeit und konzentriert die Lyrik Kozeleks mit den musikalischen Ausschweifungen Broadricks. Ein großer Wurf, ein weitreichender Schritt vorwärts, ein Album, dass nicht nur durch die rohe Gewalt der lauteren Stücke, sondern auch durch die textlichen Meisterstücke von ruhigeren Liedern wie Fragile und Exodus aufrichtig berührt. Mark Kozelek hat sich, was auch immer man von seinen außermusikalischen Exzentriken halten mag, eindeutig als einer der großen Songwriter unserer Zeit etabliert.

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