Nap Eyes – Whine of the Mystic


Whine of the Mystic von Nap Eyes geistert schon seit Monaten durch meine Stereoanlage, nach obsessiven Hören zu Beginn lege ich es nun von Zeit zu Zeit wieder auf und finde jedes Mal die gleiche Tröstlichkeit in den Geschichten, die das Album erzählt. Die Gewissheit, dass es uns, die im westlichen Spätkapitalismus stecken, am Ende ähnlich geht. Dass uns auch „Tribal Thoughts“, dass uns auch unsere angesammelten Texthaufen nicht retten werden. Und doch versucht man es weiter, rennt weiterhin an, überwindet sich und eventuell kommt sogar etwas dabei heraus:

stacks of paper are lining my desk, so many things I will never read
yet by and large, my only success comes from the things I do grudgingly
Dad tries to tell me about future happiness
but I really don’t know if I know what he means
but still I keep on trying

Diese Zeilen aus Make Something sind nur ein Beispiel für die vielfältigen Kämpfe, die auf dem Album ausgetragen werden: ein merkwürdiges, wiederholtes Auftauchen des Katholizismus, Beziehungen („Wanna know what tells me something? / When you talk, you don’t talk to me / When you talk, you talk about me“ – Delirium and Persecution Paranoia), seltene Schlafstörungen, Abschiede, Alkohol, das Höllenfeuer.

Dazu wirren elektrische Gitarren, das Schlagzeug trommelt vor sich hin und die monotone Stimme des Sängers Nigel Chapman singt die Texte wie leicht angetrunken. Doch auch in der Musik findet man immer wieder Details, Melodiegänge, die zuvor unbemerkt geblieben sind. Ein Album zum Wiederhören, in jeglicher Hinsicht.

[kaufen | Bild: Cocon du Vide von Chen Zhen]

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