Girlpool – Before The World Was Big


Bevor die Welt so groß wurde, wie sie nun einmal ist, war sie klein, viel kleiner. Sie bestand nur aus der Nachbarschaft in der du aufgewachsen bist, in der du in den Straßen jeden Riss kennst, weil du die Wege eine Trillionen Mal gelaufen bist. Irgendwann ist diese Welt dann expandiert, die Schule geht zu Ende und das alte Jeanskleid ziehst du nicht mehr an.

Wenn ich nun Girlpool dabei zuhöre, wie sie diesen Moment der vergehenden Jugend besingen, fallen mir ebenjene Risse in den Straßen meiner Heimat ein, die ich noch immer auswendig kenne. Denn das gesamte Album mäandert in diesen Sphären, textlich immer wieder zum Mikrokosmos Adoleszenz und dessen Auflösung zurückkehrend. Musikalisch ist dies an den ebenso längst vergangenen Weird Folk oder Tegan & Sara angelehnt, minimalistisch und scheinbar simpel.

Doch diese scheinbare Simplizität der Musik gleichen Girlpool durch weite Verzweigungen aus, so luken im Titellied The Shaggs, mitsamt ihrer Bandgeschichte, um die Ecke und fügen dem überspannenden Thema eine weitere Facette hinzu. Folgerichtig läuft deren Elternhymne Who Are Parents? dann auch während des Abspanns des Filmfiebertraums Ken Park, der sich im Endeffekt um die gleichen Themen wie das Album dreht.

So schließen sich Kreise und Girlpool fügen sich nahtlos in diese Kette des amerikanischen Jugendverlusts ein, docken an und variieren nur die Mittel des Ausdrucks.

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