Grandbrothers – Naive Rider

Diese Musik, nur aus einem Flügel? Eigentlich unfassbar, aber doch wahr. Die Grandbrothers aus Düsseldorf schaffen es auf ihrem Debüt Dilation wunderbare Melodien zu erzeugen, die sich rasant verankern und nach kurzer Zeit schon so vertraut sind, als würden sie den Hörer bereits ein Leben lang begleiten. Das Besondere dabei ist aber vor allem, womit die atmosphärische Musik erzeugt wird. Lukas Vogel und Erol Sarp haben einen Flügel – das hochheilige unter den Musikinstrumenten, dem häufig besonders ehrfürchtig begegnet wird – verkabelt und mit kleinen Hämmern versehen, die ihn letztlich zum Perkussionsinstrument verfremden. Die jungen Musiker schaffen auf diese Weise eine sehr experimentelle Art mit dem Instrument umzugehen und trauen sich auch mal mit dem Drumstick auf den Flügel zu schlagen. So entsteht eine neuartige Musik, die sich zahlreicher Genres bedient, wie etwa Jazz oder Electronic. Dabei gehen die gewohnten Klänge der angeschlagenen Klaviersaiten aber keinesfalls verloren, vielmehr werden sie ergänzt und es entsteht ein Gesamtgefüge, das stellenweise meditative Züge annimmt.

Naive Rider macht diese außergewöhnliche Umgangsweise mit einem klassischen Instrument erfahrbar und entführt den Hörer in eine abgeschiedene Welt. Der anfängliche Rhythmus erinnert an das Ticken einer Uhr und macht den Ablauf von Zeit greifbar, wodurch gleichzeitig Spannung entsteht. Diese entlädt sich im weiteren Verlauf des Songs immer wieder, nämlich dann, wenn refrainartige Klavierakkorde wieder daran erinnern, dass die futuristischen Klänge neben dem Einfluss durch moderne Computertechnik vor allem durch ein jahrhundertealtes Instrument erzeugt werden – den Flügel.

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Haldern #7: Grandbrothers spielen am 15. August 2015 auf dem Haldern Pop Festival im Keusgen Tonstudio. In unregelmäßigen Abständen berichten wir hier über Acts die beim diesjährigen Haldern auftreten.

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